Wovon die Ruinen schweigen, flüstern Pyramiden – Teil I

Manchmal ist es durchaus nützlich, alles in der Schule und Hochschule erlangte Wissen zu vergessen, damit man einfache, längst bekannte Dinge neu betrachten kann.
Daher wird heute vorgeschlagen, über eine Sammlung von Gemälden aus dem 18. – Anfang 19. Jahrhundert ein wenig nachzusinnen.

Für den Anfang eine kurze Vorbemerkung. Damit der Gang meiner Gedanken verständlich wird und diese nicht allzu unwahrscheinlich erscheinen.

Jeder sittlich und physisch gesunde Mensch kommt früher oder später zu der Erkenntnis, daß das ganze Leben ein Kreislauf ist. Oder ein Zebra-Streifen, wie’s beliebt.
Egal, im wesentlichen ist es so: irgendwann wachst du morgens auf und begreifst, daß du eine Menge Lebenskräfte auf völlig sinnlose Vorgänge verschwendet hast.
Du beginnst, alles von vorne anzupacken, unter Berücksichtigung der vorherigen Erfahrungen, aber am Ende kommt wieder so ein Morgen, und man beginnt ein weiteres Mal alles zu überdenken.

Und sehr vielen ist es, wie sich zeigt, nicht möglich anzuerkennen, daß das, was ihnen als unverrückbar erschien, tatsächlich ein Irrtum oder Lüge ist. Hat man uns doch zu Standfestigkeit erzogen?
Wir sind überzeugt davon, daß es irgendwelche Wahrheiten geben muß, welche von allem die Grundlage bilden müssen, ohne deren Existenz ein Chaos eintreten wird.
Deshalb ruft ein Mensch, der sich von seinen Überzeugungen löst, keine besondere Achtung hervor. Geachtet werden die „standhaften Zinnsoldaten“.
Und das ist das Hauptproblem. Es ist sehr schwierig, die feine Kante zu finden zwischen Wahrh(aftigk)eit und Verirrung.

Und dabei fließt die Zeit dahin… Alles rundum verändert sich zielstrebig. Man darf nicht stumpf den veralteten Vorschriften folgen. …

Versuchen wir also, von den Dogmen loszukommen, aber dabei nicht über die Grenze zum Mystizismus zu rutschen.
Hier sind einige leuchtende Gemälde verschiedener Künstler, die weniger bekannt sind als die Werke des Giovanni Batista Piranesi, die jedoch nicht nur derselben Epoche angehören, sondern auch inhaltlich verbunden sind.

01.

Неизвестный художник второй половины 18 века.
Unbekannter Künstler, 2. Hälfte 18. Jahrhundert

02.

Пьер Патель Старший.
Pierre Patelle d.Ä.

03.

Франческо Гварди.
Francesco Guardi

04.

Антонио Каналетто.
Antonio Canaletto

05.

Дрезден. Антонио Каналетто.
Dresden. Antonio Canaletto

06.

Алессандро Маньяско.
Alessandro Manasco

07.

Ruins in a Dune Landscape Якоб Ван Руисдаель.
Jacob Van Ruisdael

08.

Николас Питерс Берхем.
Nicolaes Pieterszoon Berchem

Dieser Meister, Nicolaes Pieterszoon Berchem, hat hinreichend viele Landschaften gemalt, die Ruinen zeigen. Ich habe ihn Nikolaj Petrowitsch Medwedjew genannt, und das ist durchaus kein Scherz, wie viele verstehen.

09.

Николас Питерс Берхем.
Nicolaes Pieterszoon Berchem

10.

Николас Питерс Берхем.
Nicolaes Pieterszoon Berchem

11.

Николас Питерс Берхем.
Nicolaes Pieterszoon Berchem

12.

Николас Питерс Берхем.
Nicolaes Pieterszoon Berchem

13.

Николас Питерс Берхем.
Nicolaes Pieterszoon Berchem

Hier stellt sich die Frage: „Sind bei denen in Europa im 18.-19. Jh. keine unzerstörten Gebäude verblieben?“
Dazu gibt es eine vernünftige Erklärung der Historiker und Kunst-Wissenschaftler. Die Erklärung ist tatsächlich einfach und logisch, und sie in Frage zu stellen, ist wirklich Irrsinn. Auf den ersten Blick ist dies tatsächlich nur eine Kulturströmung, oder wie es die heutigen Patrioten nennen, ein „Trend der Zeit“.

Ja. Mode und Stil bestimmen Geschmäcker und Stimmungen, Gedanken und Gefühle von Millionen. Wir sehen dieses Nachäffen überall rundum. Es braucht nur irgendein berühmter Idiot auf Skiern im Bild aufzutauchen, schon beginnen hunderttausende die Skiausrüstungen von den Ladenregalen zu fegen und sich gegenseitig ihr Geheimnis zu eröffnen, daß sie schon seit ihrer Kindheit nur davon geträumt haben, auf den Skiern zu stehen wie … Na, weiter wißt ihr schon.
Wie? Selbst auf die Epidemie hereingefallen? …

Zurück zu unseren Hammeln. Und zu den Ochsen, Schafen und Ziegen vor den „antiken“ Ruinen. Das ist auch ein „Trend“. Genauso wie Hirten und Wäscherinnen, in den Landschaften jener Zeit.
Hat diese „Strömung“ auch Rußland erfaßt? Kein Zweifel.
Obwohl die Erinnerung an die russischen Ruinen im 19. und 20. Jahrhundert sorgsam zugedeckt wurde, aber einiges ist dennoch übrig geblieben. Hier noch einige bisher nicht gezeigte Werke.

14.

Киевский Детинец. Неизвестный художник.
Kiewer Zentralfestung. Unbekannter Künstler

15.

Башня-Руина в Екатерининском парке Царского Села.
Turmruine im Jekatherinenpark in Zarskoje Selo

Jetzt sieht sie aus wie sie sein muß. Eine gute teure tadzhikische Euro-Renovierung, Glanz und Glamour. Aber noch vor kurzem sah sie entsprechend dem europäischen „Trend“ des 18. Jahrhunderts aus. Bemerkenswert ist das Steinchen mit dem europäischen Datum, aber in russischen Ziffern abgebildet.

16.

"Каракули" внизу означают цифру 1762.
„Zum Andenken an den Krieg von den Türken den Rußland erklärt wurde dieser Stein gesetzt“ – angeblich bedeutet die Zahl 1762.

Ehrlich gesagt, die Echtheit dieser Platte erscheint mir sehr zweifelhaft, aus vielen Anzeichen. Schaut selbst.

Aber das ist auch nicht verwunderlich. Die Größenordnung der „Bereinigung“ der wirklichen Geschichte Rußlands sind derart, daß es kaum vorstellbar erscheint, wie das alles geschafft wurde. Denn alles, was wir vom vor-romanowschen Imperium erfahren konnten, stammt aus Quellen, welche sich außerhalb der „Bereinigung“ befanden, und zwar in westlichen Universitäten und Bibliotheken.

Dieser Fakt läßt keinen Zweifel zu, daß eben jemand die Geschichte „bereinigt“ hat. Natürlich der Sieger. Und dieser Sieger ist eindeutig nicht einer unserer Vorfahren, sonst würde wir die Geschichte der Angelsachsen schreiben, und nicht diese die unsrige. Obwohl…
Das ist auch nicht unsere Methode. Wir sind nicht gegen eine großartige vergangene europäische Zivilisation, die natüürlich um viele Tausend Millionen Gulden besser war als die unsrige primitive.

Es versteht sich von selbst, daß ich nicht behaupte, daß Legionen von Deutschen durch die Wälder und Felder gezogen sind und mit Planierraupen alle antiken Bauten auf dem Territorium Tartariens beseitigt haben. Nein. Es war ausreichend, all diesen „Kram“ einfach liegenzulassen und nicht für dessen Erhalt zu sorgen, nicht mehr.
Und die Schriftzeugnisse wurden analog beseitigt. Und nicht nur so, sondern bewußt und zielgerichtet.

Sowohl unter Peter (dem Ersten, der ja angeblich während seines mehrjährigen Europa-Aufenthaltes gegen einen preußischen Grafen ausgetauscht wurde – d.Ü.) als auch unter Katharina (bekanntlich preußischer Abstammung – d.Ü.) wurden Bücher – unter dem Vorwand der Bewahrung – bei den Bauern eingesammelt und in ganzen Wagenladungen nach Moskau und Petersburg gefahren, wonach sich deren Spur im Dunkel verliert.
Klar, daß die „altgläubige (heidnische) Ketzerei“ einfach verbrannt wurde.

Genauso gingen die Bolschewiki in den zwanziger Jahren mit den Archiven der Romanows selbst um.
Nicht umsonst sagt man: „Spuck nicht in einen fremden Brunnen…“
Nun, Gott möge sie richten.

Sehen wir uns die Gemälde von noch einem lichten Vertreter der „ruinistischen“ Strömung in der europäischen Malerei an – Giovanni Paolo Pannini, oder wie ich ihn nenne, Iwan Pawlowitsch Panow.

17.

Джованни Паоло Паннини
Giovanni Paolo Pannini

Wie ihr selbst seht, ist die Hauptpersonage der Werke – antike Ruinen. Nichts Neues, nur daß die Ruinen nicht vom Plebs mit Vieh, sondern von „normalen Europäern“ bevölkert sind. Mittelklasse und Adel. Aber das ändert nichts am Wesen.
Einige Ruinen existieren bis heute als restaurierte Anlagen oder als offensichtliche Neubauten. Aber der größte Teil davon, was die Menschen noch vor gar nicht langer Zeit umgab, ist unwiederbringlich zerstört, zerlegt, gestohlen für dringende Wirtschaftszwecke.

Noch was: diese Sujets vereint jener Fakt, daß der Künstler die Wirklichkeit fotografisch abgebildet hat, ohne darüber nachzudenken, wie die nachfolgenden Nachkommen diese Werke auslegen werden. Und jene Nachkommen erwiesen sich als undankbar, sie haben ihre Ur-Ur-Urgroßväter einfach für dumme, primitive, ungebildete Phantasten erklärt, die dazu neigen zu beschönigen, zu übertreiben und überhaupt aus den Fingern zu saugen.

So schreiben die modernen Lexika und Handbücher über die „ruinistische“ Malerei:
„… (hier bitte den Namen eines beliebigen der oben genannten Maler einfügen)… ist bekannt durch seine malerische Phantasie, deren Hauptmotiv Parks und reale, aber öfter ausgedachte „großartige Ruinen“ (nach Diderot) sind, von denen eine Vielzahl von Skizzen während seines Aufenthaltes in Italien entstand“.

18.

Джованни Паоло Паннини
Giovanni Paolo Pannini

Und das sollen wir glauben? Nur weil eine Autorität das gesagt hat?

Aber ich mag nicht aufs Wort glauben, wenn ich diese Großartigkeit sehe, ich kann nicht glauben, daß diejenigen Gebäude, die bis heute erhalten geblieben sind, der Künstler mit fotografischer Genauigkeit abgebildet hat, und jene, die jetzt schon nicht mehr da sind, er sich einfach ausgedacht hat!
Wie denn das plötzlich!?

Die Wahrheit ist, daß die Künstler nichts ausgedacht haben, sondern sie haben die sie umgebende Welt dokumentiert, und wir sehen auf den Bildern, daß es im 19. Jahrhundert – nach historischen Maßstäben ERST GESTERN – eine europäische Zivilisation von viehhaltenden Bauern gab, die von einem Häuflein jener gelenkt ward, deren Kleidung etwas teurer war, und die auf den Ruinen riesiger megalithischer Anlagen lebte, welche sie selbst ganz offensichtlich nicht erbaut hatte.

19.

Джованни Паоло Паннини
Giovanni Paolo Pannini

Und die Erklärungen der Herrschaften, daß in Wirklichkeit ihre Vorfahren das erbaut hätten, aber dann eine „Epoche mittelalterlichen Dunkelmännertums“ begann, die ganze Tausend Jahre andauerte und alle haben verlernt solche Wunder zu bauen, sind …

Und die haben auch vergessen, wozu Pyramiden gut sind. Und da man nicht mehr versteht, was mit ihnen zu tun ist, kann man sie auch abbauen, damit sie nicht so doof herumstehen. Und damit man dann auch als Tourist nach Ägypten fahren kann und sich die Pyramiden neu entdecken, nur schon die Ägyptischen.

20.

Джованни Паоло Панини.
Giovanni Paolo Pannini

So kommt es, daß das Kolosseum für uns nur einfach ein Theater ist, weil man das heute ansehen kann, und die Bestimmung der Pyramiden hat man bis heute nicht ausdenken können, deshalb wurden sie auch auseinandergenommen und für Schafs- und Ziegenställe verwendet.

Unverständlich was auf dem Gemälde eine Stele aus Ägypten macht, die laut offizieller Version erst im 19. Jahrhundert dahingebracht wurde.

Darf ich eine einfache Frage stellen, um darauf eine einfache und verständliche Antwort zu erhalten?
Ägyptologen und Kunstwissenschaftler, sagt mir bitte: wie konnte ein Mensch (Giovanni Paolo Pannini) eine „