“Wenn du an dem Gitter des Elefanten-Käfigs die Aufschrift „Wisent“ liest,
glaube deinen Augen nicht.“
Kosma Prutkow.

Seit der Schulbank wird jedem von uns mit einer Beharrlichkeit, die einer besseren Verwendung würdig wäre, eingebleut, daß Rußland den „Krimkrieg“ verloren hat.
Die meisten versuchen nicht mal, die Richtigkeit dieser Seite der Geschichte unserer Heimat anzuzweifeln.

Das ist auch verständlich, wenn von früh bis spät hartnäckig wiederholt wird, daß am 9. September 2001 in New York ZWEI Gebäude zusammengefallen sind, dann werden schon nach einem halben Jahr nur noch wenige sich daran erinnern, daß tatsächlich DREI Hochhäuser gesprengt worden waren.
Sogar ungeachtet dessen, daß alle, absolut alle mit eigenen Augen an jenem Tage die Fernsehreportagen aus den VSA gesehen haben, als der Zusammenbruch dreier Gebäude gezeigt wurde und nicht zweier.

Genau dieselbe Situation haben wir mit dem „Krimkrieg“ – keinen interessieren mehr die objektiven Fakten, alle ziehen es vor, wie eine kaputte Schallplatte das Standard-Phrasen-Paket aus dem Lehrbuch den Lehrern nachzuplappern.

Die Historiker nennen zwei Kriege „vaterländische“: den ab 1812 und den ab 1941.
Aber, verzeihen Sie bitte, was versteht ein Mensch, wenn er vom Krieg spricht, unter „vaterländisch“?
Die Bezeichnung „russisch-japanischer“ oder „russisch-türkischer“ enthält klare und konkrete Begriffe, die keine weiteren Erklärungen benötigen, wer da mit wem Krieg geführt hat, und wo.
Eine andere Situation ist es mit dem „Vaterländischen Krieg 1812“. Warum ist er ein „vaterländischer“?

Denn wenn man sich in den Sinn des Begriffes hineindenkt und ihn nicht nur unbedacht ausspricht, dann taucht unausweichlich der Gedanke auf, daß dieser Krieg innerhalb des einen Vaterlandes geführt wurde, d.h. nicht gegen einen ausländischen Interventen, sondern die eigenen Leuten gegen die eigenen – mit anderen Worten: ein Bürgerkrieg!
Man kann die Richtigkeit dieser Version anzweifeln soviel man will, aber sie hat eine solche Grundlage, die tatsächlich schwer zu bestreiten ist.

Noch vor kurzem haben wir nicht an der Richtigkeit der Version der Historiker gezweifelt, was für ein Krieg der ab 1812 genau gewesen ist. Aber es sind einige Jahre vergangen, und auch die akademische Wissenschaft kann nicht mehr die Fakten ignorieren, die von unabhängigen Forschern angesammelt wurden.

Der „Ostfeldzug“ Napoleons war keineswegs eine Aggression Frankreichs gegen Rußland. Die Fakten sprechen davon, daß dies eine Militäroperation innerhalb der Staaten war, die Mitglieder des Heiligen Römischen Reiches waren, welches juristisch aufgelöst war, aber faktisch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts weiterbestanden hat.

Und genau deswegen war es auch ein „vaterländischer“, da er im Wesen innerhalb eines Gebildes stattfand – auch wenn es ein informelles, aber real existierendes war, wo alle Monarchen miteinander Blutsverwandte waren.
(letzteres war übrigens auch 1914 noch der Fall!
Und auch heute sind faktisch alle Adligen weltweit nach wie vor Blutsverwandte… – d.Ü.)

Hauptergebnis dieses Krieges war die Zerschlagung des „Einigen Europas Nr. 1“, und die Abtrennung des Russischen Imperiums aus dessen Einflußbereich – als einziger rechtmäßiger Nachfolger des Heiligen Römischen Reiches (HRR).
(hier stockt wohl jedem der Atem ob dieser Behauptung; aber vielleicht gewöhnen wir uns langsam daran, daß es mit dem uns aus dem Geschichtsunterricht bekannten „Römischen Weltreich“ eine ganz andere Bewandtnis haben könnte als man uns beigebracht hat, mehr dazu hier – d.Ü.)

Später entstehen auf den westlichen Ruinen des HRR das Deutsche Reich und das Österreichisch-Ungarische Imperium, die dann schon mit einem ganzen Verzeichnis an Imperien aus der politischen Arena verschwinden werden, zusammen mit dem Ottomanischen und dem Russischen Imperium, und als einziges das bis heute blühende Imperium auf dem Planeten zurücklassen – das Britische.
(das nach Meinung vieler seit 1946 auch nur noch formal besteht – im Form des Commonwealth, aber tatsächlich unbestreitbar den historischen Prozeß auf dem Planeten nach wie vor lenkt – d.Ü.)

Es sei besonders angemerkt, daß dies während des Zweiten Vaterländischen Krieges geschehen wird, der von den Historikern in „Erster Weltkrieg“ umbenannt wurde.
(sicherlich wurde letzteres getan, um die historische Verbindung zu den vorherigen Kriegen zu kappen – d.Ü.)
Und es war wieder ein Vaterländischer, weil der russische Zar Nikolaj II. der Monarch nicht nur des Russischen Imperiums, sondern auch vieler europäischer Länder war.
Deshalb wurde der Beginn des Zweiten Vaterländischen Krieges verkündet, als die deutschen Truppen in Liechtenstein eindrangen, dessen Großer Fürst der letzte russische Zar war.
Eben kein „imperialistischer“ oder „Weltkrieg“, sondern genau der Zweite Vaterländische.

Aber zwischen diesen beiden vaterländischen gab es noch einen Krieg, der heute schamhaft „Krimkrieg“ genannt wird. Ich denke, daß ist nicht gerecht.

Was wissen wir vom Krimkrieg?
In erster Linie erinnern wir uns an die heroische Verteidigung von Sewastopol, an Lew Tolstoj, die Barmherzigen Schwestern und Napoleon III. Schlagen wir ein beliebiges Lehrbuch aus und lesen schwarz auf weiß:
„Gegen Rußland traten an: das Französische Imperium, das Osmanische Imperium, das Britische Imperium, das Sardinische Königreich.“ –
Stop…
Das heißt, die Kraft der beiden mächtigsten Imperien der Welt (das Osmanische rechne ich nicht dazu, das war damals schon am Zerfallen) hatte sich auf die kleine Halbinsel in einem faktisch russischen Binnenmeer gestürzt!
Paßt irgendwie nicht recht zusammen…

Uns hat man doch gesagt, das sei alles wegen der Türken gewesen.
Als ob das Osmanische Imperium da etwas beansprucht habe, das übrigens nur in Rußland Osmanisches genannt wird, in der restlichen Welt heißt es OTTOmanisches.
(außer in Deutschland, da heißt es auch Osmanisches – d.Ü.)
Nach einer Reihe von russisch-türkischen Kriegen war dieses schon stark geschwächt, deshalb ist es schwerlich vorstellbar, daß es allein ein solch riskantes Unternehmen beginnen konnte, sogar mit der Unterstützung der Engländer.

Was hätte es denn für Ansprüche stellen können? Es hätte besser dafür danken sollen, daß der russische Soldat seine Waffen zur Verteidigung hat und nicht zum Besetzen von Kolonien.
Der britische Soldat dagegen wurde stets als der Hausherr der Welt erzogen. Die halbe Welt befand sich unter der direkten Regierung des Britischen Imperiums.
Der Bevölkerungszahl nach gibt es bis heute kein solches Land, ich meine im Verhältnis zur Bevölkerungszahl der ganzen Erde, versteht sich.
(diesen Gedanken wollen wir noch kurz aufgreifen:
uns wurde doch immer erzählt, daß das Britische Imperium gekonnt die Gegensätze zwischen den anderen Völkern benutzt hat, um seine eigene Macht zu sichern, und daß es stets andere Volksstämme hat für sich kämpfen lassen, während die eigenen Leute, die Engländer, fast nur die Offiziersränge bekleideten, und das sogar erfolgreich in den bevölkerungsreichsten Ländern der Erde, in Indien und China… ist das wirklich glaubhaft?
Ist es wirklich vorstellbar, daß all diese Menschenmassen nur durch „clevere“ Spaltungspolitik und Ausnutzen von Widersprüchen unterdrückt und ausgebeutet gehalten werden konnten, ohne die Illusion der „Freiheit“ wie heute?
Daß das alles ohne die Unterstützung einer technisch überlegenen Macht geschah, die „notfalls“ jederzeit eingriff, um das „Britische“ Imperium zu sichern?
es sei jedem empfohlen, selbst mal ein wenig „darauf herumzudenken“… d.Ü.)

Weiter wird es noch interessanter. Sehen wir uns (im Lehrbuch – d.Ü.) die Kriegsschauplätze des sogenannten „Krimkrieges“ an: „der Balkan, Oltenitz, Achalitz, Sinop, Kurjuk-Dara, Alma, Sewastopol, Balaklawa, Inkerman, Taganrog, der Kausasus, Eupatoria, Kars, Sankt-Petersburg, Petropawlowsk“.

Also Leute, so geht das doch nicht! Sankt Petersburg, und Petropawlowsk auf Kamtschatka! Und das Ganze nennt sich „Krimkrieg“??!!
Mir ist nicht verständlich: warum schreiben unsere Lehrbücher nichts über die Schlacht um Sankt Petersburg? Das waren keine Schaukämpfe, und im Unterschied zu Sewastopol wurde Petersburg von unserer Flotte ruhmreich verteidigt, unter kräftiger Beschädigung der englischen.
Wahrscheinlich muß eine Stadt erst ausgeraubt werden, damit sie in die Historie kommt.

Zitat aus dem Buch von Peter Gibbs „Der Krim-Fehler“ (Peter Gibbs “Сrimean Blunder”, 1960): “Zu Beginn des Jahres 1854, noch VOR der offiziellen Kriegserklärung Englands an Rußland (daß heißt hinterhältig, ohne Kriegserklärung)griff die englische Flotte unter dem Kommando von Sir Charles Napier Petersburg an“.

Und hier ein Zitat aus „Wikipedia“: „Zur englischen Koalition gehörten das von Napoleon III. entsandte französische Geschwader unter dem Kommando von Admiral Parseval-Deschenes und Admiral Penaud, und ein Marineinfanterie-Korps unter dem Kommando von General Barraguay d‘Hilliers, der noch in der Schlacht von Borodino seine Hand verloren hatte. – Oliver Warner “The See and the sword”(The Baltic 1630-1945) NY 1965». Außerdem gehörten zur Koalition noch Streitkräfte der skandinavischen Länder: Dänen, Holländer, Schweden und eine Menge Söldner aus ganz Europa.“

Die Festung Kronstadt
Die Festung Kronstadt

Aber die Hauptstadt (des Russischen Imperiums war damals Sankt Petersburg – d.Ü.) fiel den Engländern nur deshalb nicht in die Hände, weil die Verteidigung der Stadt auf höchstem Niveau organisiert war. Und die hochgelobten „Hausherren der Meere“ waren nicht in der Lage, die Kraft der russischen Waffen zu überwinden. Nur eine einzige Festung konnten sie einnehmen – Bomarsund. Danach erhielten sie solch eine Abreibung, daß sie sich nicht wieder in den Finnischen Meerbusen hineintrauten. Sweaborg und Kronstadt waren für die stärkste Flotte der Welt nicht besiegbar.

Die Festung Sweaborg
Die Festung Sweaborg

Im nächsten Jahr versuchte die englische Koalition – schon unter dem Kommando von Sir Richard Dundas – einen erbitterten Sturmangriff auf die Festung Sweaborg. Aber die russischen Verteidiger der Festung widerstanden allen Angriffen der Macht der elitären Streitkräfte des Britischen Imperiums, über dem „die Sonne nie unterging“ und dem die Ressourccen fast der ganzen Welt zu Gebote standen.
Vielleicht sollte man den Krieg eher den Baltischen oder Sankt-Petersburger nennen?

Die Festung Bomarsund
Die Festung Bomarsund

Aber auch am Asowschen Meer zerlegten die Verteidiger der Peters-Festung, die bei Berdjansk lag, die britische Flotte und bedeckten sich mit unvergänglichem Ruhm…
So meinten alle anfangs. In Wirklichkeit erzählt man heute niemandem von den ruhmreichen Kämpfen und erinnert nur an die Einnahme von Sewastopol.

Die Peters-Festung. Berdjansk.
Die Peters-Festung. Berdjansk.

Die Peters-Festung wurde zu Ehren des Kommandeurs der zweiten Südarmee Peter Rumjanzew-Sadunajskij so benannt.

Nach dem Fall von Sewastopol im September 1855 war als nächstes Nikolajew das Angriffsziel der Verbündeten – die Hauptbasis der Schwarzmeerflotte. Hier befanden sich der Kriegsschiffbau, weiträumige Artillerie-Munitionslager und der gesamte Verwaltungs- und Wirtschaftsteil der Flotte. Außerdem gingen durch Nikolajew strategische Straßen, die Odessa und die Krim mit Zentralrußland verbanden.

Am 13. September 1855 traf der Imperator Alexander II. mit seinen beiden Brüdern in Nikolajew ein. Der Großfürst Konstantin Nikolajewitsch wurde zum Artillerie-Kommandanten ernannt, und Nikolaj Nikolajewitsch zum Befehlshaber der Ingenieursarbeiten. Mit dem Bau der Verteidigungsanlagen beauftragte man den Militäringenieur Generalmajor E.I. Thotleben.
Die Stadt wurde in den Ausnahmezustand versetzt. Entlang des Buger Liman wurde ein tiefgestaffeltes Verteidigungssystem aufgebaut, das aus Erdbunkern und Geschützstellungen bestand, in denen 563 Geschütze untergebracht wurden. In der Fahrrinne des Liman wurden fünf Schiffe zur Versenkung vorbereitet.

Im Oktober 1855, zum Ende des Krimkrieges unternahmen die Verbündeten einen Angriffsversuch auf Nikolajew. Eine Armada, mit zehntausend Mann Landetruppen, tilgte die Kinburger Festung vom Angesicht der Erde, besetzte Otschakow und fuhr in den Dnjepr-Liman ein. Allerdings im Bereich der Russker und Woloschinsker Nehrung gerieten die Schiffe unter das Kreuzfeuer zweier befestigter Geschützstellungen und konnten nicht weiter vordringen.

Nikolajew
Nikolajew

Die mächtigen Kaufmann- und Konstantin-Geschützbatterien (die eine davon auf einer künstlich aufgeschütteten Insel wurde zu Ehren des Großfürsten Konstantin benannt) waren die Hauptkräfte in der Verteidigungslinien, sie brauchten aber nicht einzugreifen.
Das Projekt der Nikolajewer Verteidigung des Thotleben wurde später als Vorbild-Vorhaben für Befestigungsarbeiten herausgegeben.
Also war der Krieg ein Asowscher-Schwarzmeer-Krieg?

Dasselbe Schicksal erwartete die Engländer auf Kamtschatka. Der Generalmajor Sawojko erhielt eine Geheimdepesche aus … ihr werdet es nicht glauben, nicht vom Generalstab, sondern von den Hawai-Inseln, und wurde vorgewarnt über die Annäherung eines englischen Geschwaders, an dessen Spitze mit dem „Virago“ einer der ersten Kampfdampfer stand.

Der Dampfer „Virago“.
Der Dampfer „Virago“.

Bei der Annäherung an Petropawlowsk loteten die englischen Seeleute die Tiefe und zogen sich sofort zurück, als nur das erste russische Boot austauchte.
Dann landeten sie an und es entspann sich ein Kampf. Die russische Garnison hatte die Verteidigung so klug organisiert, daß sie mit den überlegenen Kräften des Gegners schnell und gründlich fertigwurde.
Die Heldentaten der Kamtschatka-Verteidiger werden bis heute verschwiegen.

Petropawlowsk auf Kamtschatka.
Petropawlowsk auf Kamtschatka.

Dies ist das Denkmal bei der Helden-Batterie am Schwarzen Schlammvulkan, am Ufer des Stillen Ozeans. Dessen Kämpfer gaben ihr Leben für die Unabhängigkeit der Heimat.
Und, erinnert sich die Heimat an ihre Helden?
Die Heimat nennt die umfassende Aggression des Britischen Imperiums schamhaft den „Krimkrieg“.

Wo sind Petersburg, wo ist Kamtschatka, wo der Balkan, wo der Kauskasus, Asow, die Krim. Von allen Seiten außer von Afghanistan wurde Rußland von den Engländern eingekreist. Man nahm es in die Zange und schlug von allen Seiten los.
(kommt uns auch wieder recht bekannt vor, oder? nur daß „man“ diesmal den günstigsten Zeitpunkt zum Losschlagen verpaßt hat… – d.Ü.)
Und das ist der Krimkrieg?
Und die Osmanen und sonstigen Verbündeten, das ist so… das sind Statisten, nicht mehr.

Die Historiker sagen: „Rußland hat den Krimkrieg verloren, hat die Vorherrschaft über das Schwarze Meer verloren“ – welche es später ohne Blutzoll wieder zurückgewann, auf diplomatischem Wege.
Verloren? Lüge!

Rußland hat eine großartige Schlacht um die Unabhängigkeit und Ganzheit des Landes gewonnen. Wenn wir damals verloren hätten, dann wäre der Krim das Schicksal Hongkongs beschieden gewesen, bestenfalls.
Kamtschatka würde heute als ewige britische Kolonie gelten, und wenn die Petersburger Landung der Anglo-Franzosen geglückt wäre, dann gäbe es Rußland überhaupt nicht mehr!
Ist das verständlich?

Was war das also für ein „Krimkrieg“?
Da kommt es also heraus: wenn es Verrat und Niederlagen gibt, dann ist es ein „Vaterländischer“, „Großer“ oder „Volkskrieg“, aber wenn Rußland einen erfolgreichen, außerordentlich effektiven und bedeutenden Krieg geführt hat, mit minimalen Verlusten, dann ist es so ein … „Kampf von örtlicher Bedeutung“.

Quelle der Übersetzung

 

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