{"id":20675,"date":"2017-06-20T11:52:23","date_gmt":"2017-06-20T08:52:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tart-aria.info\/?p=20675\/"},"modified":"2018-05-20T15:03:56","modified_gmt":"2018-05-20T12:03:56","slug":"die-gestohlene-steinarchitektur-der-russ","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tart-aria.info\/de\/die-gestohlene-steinarchitektur-der-russ\/","title":{"rendered":"Die gestohlene Steinarchitektur der Ru\u00df"},"content":{"rendered":"<p>Wir lachen \u00fcber die stereotypen Vorstellungen, die sich \u00fcber Ru\u00dfland und die Russen fest in den Hirnen der Ausl\u00e4nder verankert haben. Und sind uns gar nicht sonderlich dessen bewu\u00dft, da\u00df wir selbst uns in der Gefangeschaft \u00e4hnlicher Vorurteile \u00fcber uns selbst befinden.<br \/>\nZum Beispiel: welches Bild taucht in unserem Bewu\u00dftsein auf, wenn wir \u2013 als statistischer Durchschnittsb\u00fcrger des heutigen Ru\u00dfland \u2013 die Worte \u201e<b>Wladimirer Ru\u00df<\/b>\u201c oder \u201e<b>Alte Ru\u00df<\/b>\u201c h\u00f6ren?<br \/>\nSicher liegt es sehr nah an der Wahrheit, wenn wir in unserer Mehrzahl diese Ru\u00df uns so vorstellen:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.tart-aria.info\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/kadykchanskiy\/03-10.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" td-modal-image alignnone wp-image-10365 \" src=\"https:\/\/www.tart-aria.info\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/kadykchanskiy\/03-10.jpg\" alt=\"\" width=\"699\" height=\"539\" title=\"\"><\/a><\/p>\n<p>Der Mythos von der durchg\u00e4ngig h\u00f6lzernen Ru\u00df ist so fest in unserem Bewu\u00dftsein verwurzelt, da\u00df sogar dann, wenn wir alte Geb\u00e4ude und Anlagen rekonstruieren, die Restauratoren oftmals bewu\u00dft russisches Kolorit dort hinzuf\u00fcgen, wo davon nicht mal ein Hauch vorhanden war.<br \/>\nAlle wissen sehr gut, da\u00df die Stadt Isborsk urspr\u00fcnglich vollst\u00e4ndig aus Stein erbaut worden war. Dort sind bis heute sogar Schuppen und H\u00fchnerst\u00e4lle aus Kalkstein gemauert.<\/p>\n<p>Bitte schaut euch dieses Foto an. Dieses Geb\u00e4ude ist in allseitiger Hinsicht interessant. Sofort f\u00e4llt ins Auge, da\u00df\u00a0<b>h\u00f6lzern nur der Oberbau<\/b>\u00a0ist, w\u00e4hrend die \u201eSockeletage\u201c\u00a0<b>aus Ziegelstein gemauert<\/b>\u00a0ist. Und zwar wurde sie\u00a0<b>schon lange mit Boden zugesp\u00fclt<\/b>.<br \/>\nSie ist nicht in die Erde gebaut, sondern mit Sand und Lehm zugesp\u00fclt worden.<br \/>\nDas ist praktisch jedem verst\u00e4ndlich.<br \/>\nDenn\u00a0<b>man baut Sockeletagen nicht aus Ziegeln<\/b>, weil diese gebrannten Ziegel\u00a0<b>gegen Feuchtigkeitseinwirkung<\/b><b>nicht best\u00e4ndig<\/b>\u00a0sind.<\/p>\n<p>Genau deshalb ist rund um das Geb\u00e4ude ein Graben ausgehoben, damit das Grundwasser nicht den Ziegelunterbau zerst\u00f6rt, der von einem vorherigen Geb\u00e4ude stammt.<br \/>\nDer Oberbau aus Holz wurde erst viel sp\u00e4ter erschaffen, bei der Beseitigung der Sch\u00e4den der \u00dcberschwemmung.<br \/>\nBemerkenswert, da\u00df sich auf dem Dach \u201eUrnen\u201c befinden, genauer gesagt Vasen, die in der Vergangenheit als Leuchten benutzt worden waren.<br \/>\nWahrscheinlich haben die Restauratoren des Geb\u00e4udes diese benutzt, um dem Haus das urspr\u00fcngliche Aussehen zu geben. Ihrer Bestimmung wurden diese Vasen nat\u00fcrlich nicht mehr zugef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Um den Eindruck zu vervollstndigen, hier noch ein Architekturdenkmal aus\u00a0<a href=\"https:\/\/www.goruma.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Nowosibirsk<\/a>:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.tart-aria.info\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/kadykchanskiy\/12-1.jpg\"><img alt=\"Die gestohlene Steinarchitektur der Ru\u00df \u0410\u043d\u0434\u0440\u0435\u0439 \u041a\u0430\u0434\u044b\u043a\u0447\u0430\u043d\u0441\u043a\u0438\u0439\"  loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-10374 size-medium\" src=\"https:\/\/www.tart-aria.info\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/kadykchanskiy\/12-1-750x489.jpg\"  width=\"750\" height=\"489\" title=\"\" srcset=\"https:\/\/www.tart-aria.info\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/kadykchanskiy\/12-1-750x489.jpg 750w, https:\/\/www.tart-aria.info\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/kadykchanskiy\/12-1.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Offenbar hat dieses\u00a0<b>vollst\u00e4ndig steinerne<\/b>\u00a0Haus die Sintflut unbesch\u00e4digt \u00fcberstanden. Und ein solches Bild zeigt sich uns auf dem gesamten Territorium des russischen Imperiums im 19. Jahrhundert.<br \/>\nDas ist doch aber praktisch gestern \u2013 und fr\u00fcher, vielleicht war fr\u00fcher die Ru\u00df h\u00f6lzern?<\/p>\n<p>Meine Anwort ist: ja. Tats\u00e4chlich war sie in der Mehrzahl h\u00f6lzern, genausoviel wie auch Europa h\u00f6lzern war, und auch die sonstigen Gegenden.<br \/>\nAllerdings sind die Zeugen einer entwickelten Steinarchitektur auf dem Territorium des\u00a0<b>Gro\u00dfen Tartariens\u00a0in riesiger Mehrzahl<\/b>. Nicht weniger als in anderen L\u00e4ndern, und wahrscheinlich\u00a0<b>sogar mehr<\/b>.<\/p>\n<p>Nur haben sie sich bis in unsere Tage leider kaum erhalten, aber der Grund daf\u00fcr ist eher, da\u00df es in Ru\u00dfland sehr viel zerst\u00f6rerischere Naturgewalten gegeben hat, als in selbigem Italien mit seiner \u201eEwigen Stadt\u201c.<br \/>\nUnd die letzten arch\u00e4ologischen Daten geben gewichtige Gr\u00fcnde zu behaupten, da\u00df dies nicht nur eine Version ist.<br \/>\nEiner der klarsten Funde ist der Sockel eines der Tempel des 12. Jahrhunderts auf dem Territorium des\u00a0<b>Bogoljuber Klosters<\/b>\u00a0im Gebiet Wladimir.\u00a0<i>(bog = Gott, ljubith = lieben \u2013 d.\u00dc.)<\/i><\/p>\n<figure id=\"attachment_10375\" aria-describedby=\"caption-attachment-10375\" style=\"width: 750px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.tart-aria.info\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/kadykchanskiy\/13-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" td-modal-image wp-image-10375 size-medium\" title=\"des Andrej Bogoljub\" src=\"https:\/\/www.tart-aria.info\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/kadykchanskiy\/13-1-750x422.jpg\" alt=\"des Andrej Bogoljub\" width=\"750\" height=\"422\" srcset=\"https:\/\/www.tart-aria.info\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/kadykchanskiy\/13-1-750x422.jpg 750w, https:\/\/www.tart-aria.info\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/kadykchanskiy\/13-1.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-10375\" class=\"wp-caption-text\">des Andrej Bogoljub<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wahrscheinlich war der Tempel urspr\u00fcnglich ein Viertel h\u00f6her als heute.<br \/>\nWeil die unterste Etage vollst\u00e4ndig von den Schlammfluten begraben wurde, die von den Arch\u00e4ologen heute \u201eKULTURSCHICHT\u201c genannt werden.<br \/>\nAber wenn das die Sockeletage ist, dann m\u00f6ge bitte jemand erkl\u00e4ren, wof\u00fcr deren Details in einer solchen Form hergestellt worde seien:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.tart-aria.info\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/kadykchanskiy\/14-3.jpg\"><img alt=\"Die gestohlene Steinarchitektur der Ru\u00df \u0410\u043d\u0434\u0440\u0435\u0439 \u041a\u0430\u0434\u044b\u043a\u0447\u0430\u043d\u0441\u043a\u0438\u0439\"  loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" td-modal-image alignnone wp-image-10376 size-medium\" src=\"https:\/\/www.tart-aria.info\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/kadykchanskiy\/14-3-750x422.jpg\"  width=\"750\" height=\"422\" title=\"\" srcset=\"https:\/\/www.tart-aria.info\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/kadykchanskiy\/14-3-750x422.jpg 750w, https:\/\/www.tart-aria.info\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/kadykchanskiy\/14-3.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.tart-aria.info\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/kadykchanskiy\/15-2.jpg\"><img alt=\"Die gestohlene Steinarchitektur der Ru\u00df \u0410\u043d\u0434\u0440\u0435\u0439 \u041a\u0430\u0434\u044b\u043a\u0447\u0430\u043d\u0441\u043a\u0438\u0439\"  loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" td-modal-image alignnone wp-image-10377 size-medium\" src=\"https:\/\/www.tart-aria.info\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/kadykchanskiy\/15-2-750x422.jpg\"  width=\"750\" height=\"422\" title=\"\" srcset=\"https:\/\/www.tart-aria.info\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/kadykchanskiy\/15-2-750x422.jpg 750w, https:\/\/www.tart-aria.info\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/kadykchanskiy\/15-2.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Denn man mu\u00df kein Bauprofi sein, um zu kapieren, da\u00df diese Elemente, welche sich unter der Erde befinden, um\u00a0<b>eine ganze Stufe h\u00f6her in der Qualit\u00e4t ihrer Ausf\u00fchrung<\/b>\u00a0sind.<br \/>\nD.h. nach der Logik der orthodoxen Historiker mu\u00df da\u00df, was\u00a0<i>in<\/i>\u00a0der Erde ist, elegant und sch\u00f6n sein und auf h\u00f6chstem technologischem Niveau, und das was an der Oberfl\u00e4che ist, \u201eda langt\u2019s auch so\u201c.<br \/>\nDenn genau dies ist ja hier zu beobachten. Das, was sich oberhalb der versch\u00fctteten Etage, die von den Naturgewalten in die \u201eSockeletage\u201c verwandelt wurde, befindet, schaut aus wie l\u00e4cherliches Laienbauwerk.<\/p>\n<p>Aber anstelle dessen haben unsere inl\u00e4ndischen Historiker verk\u00fcndet\u2026 ihr werdet es nicht glauben\u2026<br \/>\nSie haben gesagt, da\u00df sie \u201edie Reste eine Tempels gefunden haben, der im 12. Jahrhundert wahrscheinlich von italienischen Baumeistern erschaffen wurde (<a href=\"https:\/\/zebra-tv.ru\/novosti\/chetvertaya-rubrika\/chto-skryvaet-kulturnyy-sloy\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">hier ist der Originalartikel<\/a>).<\/p>\n<p>Ja wie denn auch sonst! Nat\u00fcrlich, die Italiener haben f\u00fcr die Russen die Tempel gebaut. Macht ja nichts, da\u00df\u00a0<b>Italien erst 1861 entstanden<\/b>\u00a0ist, als in London schon die U-Bahn er\u00f6ffnet wurde?<br \/>\nDenn bis dahin existierten anstelle Italiens verfeindete F\u00fcrstent\u00fcmer!<br \/>\nUnsere Gelehrten sind nicht in der Lage, die Stereotypen von der h\u00f6lzernen Ru\u00df zu \u00fcberwinden, und sobald sich etwas diesem schon von der Schulbank an eingeimpften Klichee nicht Entsprechendes zeigt, verfallen sie in Starre und beginnen, Erkl\u00e4rungen zu suchen, die mit der angelernten Methodik \u00fcbereinstimmen.<br \/>\nWenn es nicht dem Russischen \u00e4hnlich ist, dann ist es skandinavisch. Wenn es nicht dem Skandinavischen entspricht, dann ist es italienisch.<br \/>\nNa und? Den Moskauer Kreml haben doch die\u00a0<a href=\"https:\/\/ru.wikipedia.org\/wiki\/%D0%A4%D1%80%D1%8F%D0%B7%D0%B8%D0%BD\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Frjasins<\/a>\u00a0erbaut\u2026<\/p>\n<p>Aber alle wissen doch bestens, da\u00df\u00a0<b>Moskau schon immer zu allen Zeiten aus wei\u00dfem Stein<\/b>\u00a0bestand.<br \/>\nUglitsch, Rostow, Jaroslawl, Nizhnij Nowgorod, Wladimir, Kostroma und\u00a0<a href=\"https:\/\/bumibahagia.com\/2016\/08\/23\/spaziergang-durch-tomsk\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">alle St\u00e4dte Moskowiens<\/a>\u00a0waren\u00a0<b>ebenfalls aus wei\u00dfem Stein erbaut<\/b>, der bis heute fast nicht mehr erhalten ist.<br \/>\nEr wird noch bei Ausgrabungen gefunden, und die Gelehrten zerbrechen sich den Kopf dar\u00fcber, wo die Ru\u00dfigen diese Steine hergeholt hatten.<br \/>\nDie Version \u00fcber die k\u00fcnstliche Herkunft dieser Steine steht gar nicht auf der Tagesordnung \u2013 aber alles spricht daf\u00fcr, da\u00df diese Steine keine Steine waren, sondern\u00a0<b>Beton<\/b>, dessen Bestandteil vor allem Kalk war.<br \/>\nDank diesem waren die fertigen Bl\u00f6cke wei\u00df gef\u00e4rbt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_10366\" aria-describedby=\"caption-attachment-10366\" style=\"width: 700px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.tart-aria.info\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/kadykchanskiy\/04-7.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" td-modal-image wp-image-10366\" title=\"I. Weis. Moskau 1852\" src=\"https:\/\/www.tart-aria.info\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/kadykchanskiy\/04-7.jpg\" alt=\"I. Weis. Moskau 1852\" width=\"700\" height=\"508\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-10366\" class=\"wp-caption-text\">I. Weis. Moskau 1852<\/figcaption><\/figure>\n<p>Und unsere modernen Vorstellungen von den steinernen St\u00e4dten Europas sind im Ergebnis der Einwirkung von modernen Kinofilmen \u00fcber die Musketiere entstanden.<br \/>\nIm Wirklichkeit\u00a0<b>gab es keine<\/b>\u00a0gro\u00dfen Unterschiede zwischen den europ\u00e4ischen und den russischen St\u00e4dten.<\/p>\n<p>Die Wahrheit ist, da\u00df es\u00a0<b>keine Unterschiede zwischen Rom und Kiew<\/b>\u00a0gab. Sowohl da wie auch dort gab es sowohl steinerne Bauten wie auch h\u00f6lzerne.<br \/>\nKlar, in Kiew ist das Kloster aus Stein, aber das ist ja auch das Kloster\u2026 Aha\u2026<\/p>\n<p>Und wie sieht es mit dem \u201eGoldenen Tor\u201c aus?<\/p>\n<figure id=\"attachment_10367\" aria-describedby=\"caption-attachment-10367\" style=\"width: 1920px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.tart-aria.info\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/kadykchanskiy\/05-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" td-modal-image wp-image-10367 size-full\" title=\"das Goldene Tor. Kiew. Denkmal der russischen Verteidigungsarchitektur\" src=\"https:\/\/www.tart-aria.info\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/kadykchanskiy\/05-2.jpg\" alt=\"das Goldene Tor. Kiew. Denkmal der russischen Verteidigungsarchitektur\" width=\"1920\" height=\"1337\" srcset=\"https:\/\/www.tart-aria.info\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/kadykchanskiy\/05-2.jpg 1920w, https:\/\/www.tart-aria.info\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/kadykchanskiy\/05-2-750x522.jpg 750w\" sizes=\"auto, (max-width: 1920px) 100vw, 1920px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-10367\" class=\"wp-caption-text\">das Goldene Tor. Kiew. Denkmal der russischen Verteidigungsarchitektur<\/figcaption><\/figure>\n<p>L\u00e4cherlich, oder? Aber ich bin \u00fcber diese Formulierung gestolpert.<br \/>\nBitte schaut euch aufmerksam den Anbau an. Aus meiner Sicht eine\u00a0<a href=\"http:\/\/www.wissen.de\/fremdwort\/apotheose\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Apotheose\u00a0<\/a>der Dummheit!<br \/>\nDie Rekonstrukteure bauen einen Ziegelbau aus den Zeiten von\u00a0<b>Jaroslaw dem Weisen<\/b>, und in ihren K\u00f6pfen sitzt es so fest, da\u00df damals alles nur h\u00f6lzern gewesen sein kann, da\u00df sie es\u00a0<b>nicht lassen konnten, einen \u201eFl\u00fcgel\u201c aus Balken dranzukleben. Wozu?!<\/b><\/p>\n<p>Wozu, frag ich, war das n\u00f6tig?!<br \/>\nUnd was ist das f\u00fcr ein Turm im Zentrum, in Form eines Kirchenbaus? Wer ist auf die Idee gekommen, in ein Verteidigungsbauwerk dieses Geb\u00e4ude \u201ereinzustopfen\u201c?<br \/>\nUnd \u00fcberhaupt, wer hat denn gesagt, da\u00df das ein Verteidigungsbauwerk war?<br \/>\nWas wissen unsere Historiker dar\u00fcber?<br \/>\nPr\u00e4zise gesagt: NICHTS!<br \/>\nDenn\u00a0<i>so<\/i>\u00a0hat dieses \u201eVerteidigungsbauwerk\u201c im Jahre 1861 ausgesehen:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.tart-aria.info\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/kadykchanskiy\/06-10.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" td-modal-image alignnone wp-image-10368 size-full\" src=\"https:\/\/www.tart-aria.info\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/kadykchanskiy\/06-10.jpg\" alt=\"\" width=\"736\" height=\"1024\" title=\"\"><\/a><\/p>\n<p>Ei jei jei\u2026 Was f\u00fcr eine bl\u00fchende Phantasie mu\u00df man haben, wenn man aus diesen \u201edrei Steinen\u201c das hinzurekonstruiert, was jetzt in Kiew steht, und das dann noch \u201e<i>Denkmal der russischen Verteidigungsarchitektur<\/i>\u201c\u00a0benennt?<br \/>\nWarum kann man nicht vermuten, da\u00df es eine Kathedrale war?<br \/>\nOder Thermen \u2013 Saunen?<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.tart-aria.info\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/kadykchanskiy\/07-8.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" td-modal-image alignnone wp-image-10369 size-full\" src=\"https:\/\/www.tart-aria.info\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/kadykchanskiy\/07-8.jpg\" alt=\"\" width=\"743\" height=\"1024\" title=\"\"><\/a><\/p>\n<p>Ein St\u00fcckchen Wahrheit mag schon dabei sein. Das kann wirklich ein Tor gewesen sein, aber \u2026 ein Tor wohin?<br \/>\nVor uns liegt ein kleines verbliebenes Fragment irgendeines riesigen Geb\u00e4udes.<br \/>\nJa, das ist wirklich ein Tor. Aber ein Tor f\u00fcr uns.<\/p>\n<p>Und wenn man in der Vorstellung das fehlende Geb\u00e4ude hinzumalt, in welchem so eine T\u00fcr ist, dann ergibt sich ein Gem\u00e4lde im Stile der Werke des\u00a0<b>D.B.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.uni-frankfurt.de\/39022191\/piranesi-veduten\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Piranesi<\/a><\/b>.<br \/>\nWohin dieses Tor f\u00fchrte, werden wir schon nie mehr erfahren.<\/p>\n<p>Aber die Idee, diesen \u00fcbrig gebliebenen Durchgang eines vollst\u00e4ndig fehlenden Geb\u00e4udes mit der Bezeichnung einer Verteidigungsanlage \u201eauszuzeichnen\u201c, das ist schon zuviel \u2013 sogar f\u00fcr einen frisch beginnenden Studenten der Architektur-Fakult\u00e4t.<br \/>\nH\u00e4tte man es wenigstens Triumphbogen genannt, dann w\u00e4re noch sehr lange niemand auf die Idee gekommen, daran zu zweifeln.<\/p>\n<p>In unserem Falle kann man mit \u00dcberzeugung feststellen, da\u00df es noch in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Kiew Reste der nicht unsrigen, der vorsintflutlichen Zivilisation gegeben hat.<br \/>\nJener, die auf seinen \u201eGem\u00e4lden\u201c\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Giovanni_Battista_Piranesi\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">der Einwohner der<\/a>\u00a0\u201everschwundenen slawischen Stadt\u201c aufgezeichnet hat:<\/p>\n<figure id=\"attachment_10370\" aria-describedby=\"caption-attachment-10370\" style=\"width: 750px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.tart-aria.info\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/kadykchanskiy\/08-7.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" td-modal-image wp-image-10370 size-medium\" title=\"Giovanni Batista Piranesi.\" src=\"https:\/\/www.tart-aria.info\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/kadykchanskiy\/08-7-750x1029.jpg\" alt=\"Giovanni Batista Piranesi.\" width=\"750\" height=\"1029\" srcset=\"https:\/\/www.tart-aria.info\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/kadykchanskiy\/08-7-750x1029.jpg 750w, https:\/\/www.tart-aria.info\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/kadykchanskiy\/08-7.jpg 874w\" sizes=\"auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-10370\" class=\"wp-caption-text\">Giovanni Batista Piranesi.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Warum wird er als phantastischer Maler bezeichnet, der Phantasie-Ruinen gemalt habe?<br \/>\nDenn\u2026 dabei kann niemand bestreiten, da\u00df er\u00a0<b>die Ausgrabungen der antiken r\u00f6mischen Ruinen DOKUMENTIERT hat<\/b>!<br \/>\nAlso ist er, wenn es genehm ist, ein\u00a0<b>Architekt<\/b>, und wenn nicht, dann ist er K\u00fcnstler,\u00a0<b>Katastrophist<\/b>\u2026<br \/>\nDie Wahrheit ist, da\u00df er nie etwas \u201ephantasiert\u201c hat. Er hat die Rolle eines Fotoapparates \u00fcbernommen.<br \/>\nJa, damals war die Fotografie noch nicht erfunden, und bei den Ausgrabungen war es erforderlich, alles sorg\u00e4fltig zu dokumentieren, damit man dann das wiederherstellen konnte, was unter Ber\u00fccksichtigung der Technologien des 18. Jahrhunderts m\u00f6glich war.<br \/>\nEr ist keinesfalls ein Genie der phantastischen Malerei.<br \/>\nEr ist ein K\u00fcnstler, der mit fotografischer Genauigkeit die Rekonstruktion der vorsintflutlichen Anlagen\u00a0<b>dokumentiert<\/b>hat.<br \/>\nUnd jene Geb\u00e4ude, die es nicht mehr gelang wiederherzustellen, die gelten als phantastisch.<br \/>\nUnd damit hat sich Piranesi tats\u00e4chlich befa\u00dft:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.tart-aria.info\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/kadykchanskiy\/09-6.jpg\"><img alt=\"Die gestohlene Steinarchitektur der Ru\u00df \u0410\u043d\u0434\u0440\u0435\u0439 \u041a\u0430\u0434\u044b\u043a\u0447\u0430\u043d\u0441\u043a\u0438\u0439\"  loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" td-modal-image alignnone wp-image-10371 size-medium\" src=\"https:\/\/www.tart-aria.info\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/kadykchanskiy\/09-6-750x906.jpg\"  width=\"750\" height=\"906\" title=\"\" srcset=\"https:\/\/www.tart-aria.info\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/kadykchanskiy\/09-6-750x906.jpg 750w, https:\/\/www.tart-aria.info\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/kadykchanskiy\/09-6.jpg 993w\" sizes=\"auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ganz genau!! Piranesi hat Dutzende B\u00e4nde von Zeichnungen und Skizzen erschaffen, und in der \u00fcberwiegenden Mehrzahl sind das solche, rein technischen Dokumente.<br \/>\nSie sind dem breiten Publikum nicht bekannt. Denn dieses ist nur begeistert von seiner Ruinen-Malerei:<\/p>\n<figure id=\"attachment_10372\" aria-describedby=\"caption-attachment-10372\" style=\"width: 709px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.tart-aria.info\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/kadykchanskiy\/10-8.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" td-modal-image wp-image-10372\" title=\"Die Gelehrten nennen dies die \u201eTitus-Thermen\u201c.\" src=\"https:\/\/www.tart-aria.info\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/kadykchanskiy\/10-8.jpg\" alt=\"Die Gelehrten nennen dies die \u201eTitus-Thermen\u201c.\" width=\"709\" height=\"499\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-10372\" class=\"wp-caption-text\">Die Gelehrten nennen dies die \u201eTitus-Thermen\u201c.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das erinnert doch sehr an das \u201e<b>Goldene Tor in Kiew<\/b>\u201c, stimmt\u2019s?<br \/>\nIch meine dem Stil nach, und im gleichen Zerst\u00f6rungsniveau. Dort ist aus drei Steinen das \u201eTor einer Festung\u201c\u00a0<i>(man hat nichts d\u00fcmmeres ausdenken k\u00f6nnen als das Unvereinbare zu vereinen: \u201eTor\u201c und \u201eFestung\u201c)<\/i>\u00a0entstanden, und in Rom hat man f\u00fcr drei Steine die Bezeichnung \u201eThermen\u201c ausgedacht.<br \/>\nWarum eigentlich nicht \u201eTurm\u201c?<br \/>\nDenn Piranesi war doch kein Italiener, sondern er war Venezianer. Und Venezia, das ist die Stadt Vineta, die in der Legende vom Meer verschlungen wurde.<br \/>\nJa, verschlungen, aber nur teilweise. Man mu\u00dfte danach nicht zu Pferd, sondern in Booten sich die Stra\u00dfen entlang bewegen.<\/p>\n<p>Und Vineter, das ist ein russischer Volksstamm, und gesprochen haben die eher in einer Sprache, die uns auch jetzt ohne Dolmetscher verst\u00e4ndlich w\u00e4re.<br \/>\nUnd wenn Piranesi das \u201eThermen\u201c nannte, dann meinte er ganz etwas anderes, und keine Sauna.<br \/>\n\u201eThermen\u201c k\u00f6nnten im Ergebnis der \u00dcbersetzung des lateinischen Wortes \u201eTeReM\u201c (TURM) entstanden sein.<\/p>\n<p>Die lateinische Sprache wurde doch extra daf\u00fcr ausgedacht, damit verschiedene St\u00e4mme einander verstehen konnten, und vor allem, damit man schriftliche Dokumente eindeutig auslegen konnte, ohne den Sinn zu verzerren und ohne Hilfe eines \u00dcbersetzers.<br \/>\nLatein hat man nicht gesprochen.<br \/>\nDas war eine reine Schriftsprache, und dank dieser, einer toten Sprache, konnte sich\u00a0<b>Iwan Wassiljewitsch Ognjew<\/b><i>(russ. ogon = Feuer)<\/i>\u00a0in Giovanni Battista Piranesi verwandeln.<br \/>\nGenauso wie Nikolaj, Matwej und Mark in den modernen Quellen sich in Niccolo, Matteo und Marco Polo verwandelt haben.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/bumibahagia.com\/2017\/07\/02\/stein-oder-nicht-stein\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Quelle<\/a> der \u00dcbersetzung<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir lachen \u00fcber die stereotypen Vorstellungen, die sich \u00fcber Ru\u00dfland und die Russen fest in den Hirnen der Ausl\u00e4nder verankert haben. Und sind uns gar nicht sonderlich dessen bewu\u00dft, da\u00df wir selbst uns in der Gefangeschaft \u00e4hnlicher Vorurteile \u00fcber uns selbst befinden. 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