Steine sprechen. Teil 10

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В. Верещагин. Московский Кремль с Большого каменного моста 1872г.

Das Leben des Menschen ist sehr kurz. Was für mich erst gestern passiert ist, erscheint meinen Kindern schon als eisgrau veraltet.
Und für mich war es meinerseits ein wirklicher Schock, als ich im Arbeits-Nachweis-Büchlein eines Mitarbeiters der Firma, in der ich arbeite, den Eintrag fand, daß er noch im Jahre 1969 als zweiter Helfer des Lokführers einer Dampflok (einfacher gesagt: als Heizer) gearbeitet hatte.
Deshalb ist auch nichts verwunderlich daran, daß wir einfach etwas als uralt-antik annehmen, was im Prinzip nicht antik sein kann.

Megalith, dein Schnurrbart klebt nicht mehr, er geht ab!

(der nicht mehr klebende abgehende Schnurrbart ist im Russischen ein „geflügeltes Wort“ und stammt, wie auch andere, aus dem sowjetischen Film-Klassiker „Die Brillianten-Hand“ – d.Ü.)

Das Leben des Menschen ist sehr kurz. Was für mich erst gestern passiert ist, erscheint meinen Kindern schon als eisgrau veraltet.
Und für mich war es meinerseits ein wirklicher Schock, als ich im Arbeits-Nachweis-Büchlein eines Mitarbeiters der Firma, in der ich arbeite, den Eintrag fand, daß er noch im Jahre 1969 als zweiter Helfer des Lokführers einer Dampflok (einfacher gesagt: als Heizer) gearbeitet hatte.
Deshalb ist auch nichts verwunderlich daran, daß wir einfach etwas als uralt-antik annehmen, was im Prinzip nicht antik sein kann.

Das anschaulichste Beispiel ist der Moskauer Kreml. Das Symbol Rußlands, eine uralte und die größte funktionierende Festung in der Welt. Ihr erinnert euch doch der Worte im Lied „Das Maien-Moskau“ der Brüder Pokrass und Lebedjew-Kumatsch? „Der Morgen färbt mit zartem Licht die Wände des uralten Kreml…“
So wurde im Bewußtsein eines jeden von uns der Stereotyp vom unwahrscheinlichen Alter der Hauptsehenswürdigkeit der Hauptstadt unserer Heimat verankert.

Und auch in allen Handbüchern wird davon gesprochen, daß der Moskauer Kreml im Zeitraum zwischen 1482 und 1495 erbaut wurde. Die Besichtiger, welche den Kreml besuchen, schauen ehrfurchtsvoll solch alte Mauern und Türme an, und es kommt ihnen der Gedanke gar nicht in den Sinn, daß all dies tatsächlich im Zeitraum zwischen 1920 und 1937 erbaut worden ist.
Ungeachtet der gewohnten Wortgruppe „das weißsteinige Moskau“ («Москва белокаменная») schauen alle ganz ruhig auf ein „rotgemauertes“ Moskau und nicken dazu. Jaja, das macht das Alter…

Aber bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts hatte es nicht einen einzigen roten Ziegelstein in den Mauern und Türmen des Kreml gegeben. Erst als „die Roten“ im Bürgerkrieg „die Weißen“ besiegt hatten, wurde alles Weiße im Kreml schnellstens gegen das Rote ausgetauscht. In den Jahren 1918-1919 begann unter Leitung des Architekten N.W. Markownikow die Restaurierung der Mauern und Türme des Kreml voran; an den Arbeiten waren ebenfalls I.E. Bondarenko, I.W. Rylskij und D.P. Suchow beteiligt. Aber das sind noch die Blüten…

Wir verbergen wenigstens nicht den Fakt des Umbaus des Kremls. Jedoch in Europa ist da keiner zaghaft, wenn es um Geld geht.
Wenn schon lügen, dann richtig, bis zum Schluß, und dort werden Bauten vom Ende des 19. / Anfang des 20 .Jahrhunderts locker antiken Zeiten zugeordnet.
Die Liebhaber der „mittelalterlichen“ gotischen Architektur der europäischen Städte sollten schon wissen, daß sich noch vor 150 Jahren der Großteil der europäischen Städte in nichts von den altrussischen unterschied.
Hier ein besonders klares Beispiel:

Steine sprechen. Teil 10 kadykchanskiy

Ratet mal, ist das Pskow, oder Nowgorod, oder Jaroslawl?
Nun ja, das ist ein Fragment einer Karte der Stadt Lutezia, heute bekannt als Paris.
Genauso stand diese vor den Augen des Sebastian Münzer im Jahre 1554.
Dieselben Mauern, dieselben Türme wie in Moskau.
Und kein einziger Hinweis auf die Kathedrale Notre Dame mit ihren steinernen Chimären. Nichts.
Die Kathedrale selbst existierte, zweifellos, aber wie mag sie ausgesehen haben?!

Erst als begonnen wurde, die Welt in Länder und Nationen aufzuteilen, erst damals entstand die Notwendigkeit einer bedingungslosen Selbstidentifikation der neuen Völker, und zwar so, daß allen klar werden sollte, daß dieses Volk schon seit vorsintflutlichen Zeiten sich grundlegend von allen anderen Völkern unterschieden hat, und als ureigenes vorweisen konnte:

  • eine eigene Sprache,
  • eigene Bekleidungen,
  • eine eigene Architektur,
  • eine eigene Musik,
  • eine eigene Theaterkunst,
  • eigene Tänze,
  • eine eigene Küche,
  • eigene Bräuche,
  • eine eigene Literatur, und
  • eine eigene Geschichte,

ja, und alles sonstige, was es einer Nation ermöglicht, sich anders als alle anderen zu fühlen.
Der globale Hintergedanke einer solchen Aufteilung ist für jeden denkenden Menschen klar. Die Regel „Spalte und Herrsche“ – «divide et impera» – wird Macchiavelli zugeschrieben, oder auch irgendwelchen vorhistorischen römischen Senatoren oder Imperatoren, aber sehr viel wahrscheinlicher ist dies eine nicht so arg alte Entdeckung, weil der Beginn von deren aktiver Nutzung sich auf das Ende des 18. Jahrhunderts fixieren läßt.
Aber all dies betrifft die Vorrechte des Globalen Prädiktors, und ganz unten ist alles viel einfacher.

Der Grund liegt in den gewöhnlichsten menschlichen Fehlern und Schwächen. Besonders Habgier und Eitelkeit, multipliziert mit Dummheit, tragen ihre bitteren Früchte.
Da gibt es zum Beispiel einen talentierten Maler Petrow. Er ist ein Genie der Porträt-Malerei, aber er muß um Brot und Wasser kämpfen, weil keiner seine Bilder kauft.
Also macht er sich an die Herstellung eines Portraits, indem er die Technik und die Farbpalette eines bekannten mittelalterlichen Malers kopiert, dessen Bilder auf den Welt-Kunstauktionen für Millionen gehandelt werden.
Mehr Phantasie braucht man nicht.
Irgendeine Oma findet „zufällig“ auf ihrem Dachboden ein total verstaubtes Gemälde in einem uralten Rahmen, und zwei Experten bestätigen, daß dies ein bisher unbekanntes Werk „des großen …“ sei. Anstelle der drei Punkte könnt ihr „Rubens“ oder „Canaletti“ oder „Degas“ einsetzen.
Das war’s. Die Sache ist geritzt.
Alle haben gut verdient, und alle lächeln.

Haargenau dasselbe ist mit den „Denkmälern der nationalen Literatur“ geschehen. Annähernd zur selben Zeit wurden die Epischen Werke vom Gilgamesch, des Kalevala, des Manas, die skandinavische Edda und sonstige „Nibelungenlieder“, das „Wort von Regiment Igors“ und die „Kraledworsker Handschrift“ zufällig „entdeckt“.
All das sind talentiert geschriebene, aber eben nur Fälschungen.
Selbiges betrifft auch die „antiken“ Werke eines Ovid, Archimedes, Herodot, Plinius, Publius und anderer.

Niemand will doch Geld ausgeben für irgendwelches „Zeug“. Aber wenn man dem „Zeug“ einen „Status“ gibt, indem man ihm die Autorenschaft eines antiken Philosophen zuschreibt, dann kann man sich damit etwas vergolden.
Das „Gesetz des Deppen“ wird auch in der heutigen Zeit umfassend angewendet – zu jeder Sekunde.
Wenn man für ein billiges Shampoo Werbung macht, indem man erzählt, wie gut es die Haare reinigt, dann wird das keiner kaufen. Aber wenn dieses Shampoo so positioniert wird, daß es für die „Intimzone“designt wurde, und dazu noch erzählt, daß es keinerlei Methylpropenilen-Hydrooxyzinnamenil-Acrylsäure enthält und mit „Mikropeptiden und Keramiden“ auf der Basis von Nano-Graphenteilchen angereichert ist, dann wird diese billige Seife zum Preis eines Verjüngungselixiers verkaufbar sein.

So ähnliche Marketingtricks haben die unternehmungslustigen Briten eingesetzt, welche einen Haufen Steine in ein Symbol der Macht ihrer fernen Vorfahren verwandelt haben, welche über Technologien und Wissen verfügten, die der restlichen Welt um Jahrtausende voraus waren.

Stonehenge ohne Keratin und Cholesterin

Vor etwa 15 Jahren habe ich das Buch des Doktors der geologisch-mineralogischen Wissenschaften, Professor Igor Wladimirowitsch Dawidenko gelesen „Was ist Stonehenge“. Dies war eines jener Bücher, die meine Weltanschauung kardinal verändert haben.
Anfangs fiel es mir schwer zu glauben, daß noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts von diesem „megalithischen Observatorium“ aus der Epoche des Neolithikums (mehr als 6000 Jahre v.u.Z.) niemandem etwas bekannt war, und daß auf einem Hügel in Wiltshire (England) einfach nur regellos einige Steine herumlagen.
Aber die Argumente, die der Professor anführte, erwiesen sich als gewichtiger als die Denkschablonen. Um so mehr, als bald darauf jemand die Fotos aus dem Jahren 1954 – 1958 digitalisierte und ins Netz stellte, auf welchen der gesamte Prozeß der Schaffung einer der beispiellosesten historischen Fälschungen des 20. Jahrhunderts detailliert abgebildet ist:

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Es versteht sich von selbst, daß die Mächtigen dieses „Restaurierung“ genannt haben, wie auch im Falle des Moskauer Kremls, der Notre Dame de Paris, des Kölner Doms und ähnlicher. Aber die Fakten sind aussagekräftiger als beliebige Worte.
Kommentare sind, wie man so sagt, überflüssig.
In der Reportage (ich habe hier nur einige Fotos aus der Vielzahl ausgewählt) ist der gesamte Prozeß des Baus des „Kromlechs“ von der Aufmessung bis zum Aufbringen der „altenglischen Runen“-Aufschriften, die „keiner entziffern kann“, im Einzelnen festgehalten.
Aber es gibt einiges zu ergänzen.

Vieles wird verständlich, wenn man weiß, wo genau dieses Objekt erbaut wurde, das im Jahre 1984 (warum so spät? mußte erst ein Generationswechsel abgewartet werden?) unter den Schutz der UNESCO gestellt wurde.
Die Sache ist die, daß Stonehenge sich praktisch auf dem Territorium eines Militärstützpunktes befindet, rund um die Uhr unter der Aufsicht der Militärs.
Hier der Kommentar eines der unzähligen Autoren, die Artikel über das gefälschte Stonehenge veröffentlicht haben:

– „Rund um Stonehenge befindet sich bereits seit über 100 jahren ein abgesperrtes Territorium, das von Militärs bewacht wird, von Militärflugzeugen und -hubschraubern patroulliert wird, mit täglichem Artillerie-Schießen.“

– „Die örtlichen Einwohner wurden noch vor dem Beginn des 2. Weltkrieges unter dem Vorwand von Manövern dort ausgesiedelt, die Dörfchen wurden unter Militärkontrolle genommen, dies ist bis zum heutigen Tage die Lage.“

– „Jegliche landwirtschaftliche Tätigkeit auf dem gesamten Territorium der Senke, in der Stonehenge liegt, ist verboten.“

– „Auf dem Territorium existierte eine Infrastruktur, die eine großräumige Bautätigkeit ermöglichte (einschließlich Flugplätzen und einem Eisenbahn-Gleisanschluß), welche in der Folge wegen Unnötigkeit abgebaut wurde.“

Es scheint, daß ein besser geeigneter Ort für den Bau von Stonehenge wohl schwer zu finden ist…

Und hier ein in jeder Hinsicht interessantes Foto aus der heutigen Zeit.
Sehr symbolisch…

Баррак Обама в Стоунхендже.
Barak Obama in Stonehenge

Und wie eine Naht mit weißem Garn – unter dem abgefallenen Teil der Putz-Hülle ist die Stahlbeton-Grundkonstruktion des „“ zu erkennen.
Darin liegt das ganze Wesen…

Eine in ihrer Frechheit grandiose Lüge. Allerdings ist das nichts im Vergleich mit den Riesenumfängen der Fälschung der europäischen Städte.
Die Offenlegung des Mechanismus dieses Schwindels kann uns helfen, auf die Vielfalt der „Denkmäler der Antike“ in Europa und deren geringe Anzahl in Rußland mit neuen Augen zu schauen.
Es genügt, die politische Situation in verschiedenen Teilen Eurasiens in der zweiten Hälfte des 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu betrachten, und vieles wird klar.

P.S. In den Kommentaren zum Artikel gibt es einen von Anton Sisych erhaltenen Link zueiner Version nicht nur des Baus, sondern auch des Sinns von Stonehenge.
(der kurz gesagt darin besteht, daß diese Anlage für heutige Eso-Ablenk-Festivitäten gebraucht wird – wovon man sich anhand der Fotos in der Mitte des eben verlinkten Artikels überzeugen kann – d.Ü.)

Fortsetzung folgt…

Quelle der Übersetzung

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kadykchanskiy
Golubjew Andrej Wiktorowitsch (kadykchanskiy). Geboren am 29. Juli 1969 in der Siedlung Kadykchan im Kreis Susuman, Gebiet Magadan, Sibirien. Absolvierte die Wyborger Luftfahrt-Technische Fachschule und die Russische Zoll-Akademie. Arbeitstätigkeit in der 2. Kuibyschewer Vereinigten Luftfahrt-Gruppe. Dienst beim Pskower Zollamt. Jurist, Schriftsteller, Historiker.